Im Alter werden Menschen am häufigsten aufgrund einer Demenzerkrankung pflegebedürftig. Was bedeutet dies nun für die Pflegegrade und deren Leistungen? Wichtig ist an dieser Stelle festzuhalten, dass es keinen speziellen Demenz-Pflegegrad gibt.

Stattdessen können die Leistungen der Pflegegrade 1, 2, 3, 4 oder 5 in Anspruch genommen werden.


Menschen mit Demenz haben je nach Grad der Pflegebedürftigkeit Anspruch auf eine Vielzahl von Leistungen der Pflegeversicherung. Nachfolgend möchten wir Ihnen einen Überblick geben, welche Leistungen und Unterstützungsangebote Betroffenen zustehen – je nachdem ob sie zu Hause, in einer ambulant betreuten Wohngruppe oder in einer vollstationären Pflegeeinrichtung versorgt werden. Die meisten Leistungen werden erst ab dem Vorliegen des Pflegegrades 2 gewährt. Welche Leistungen Pflege bedürftigen mit Pflegegrad 1 zustehen erfahren Sie hier.


Ergänzend zum Informationsangebot auf unserer Webseite sei an dieser Stelle auf das Recht auf Pflegeberatung hingewiesen.

Jeder Pflegebedürftige kann sich bei uns oder bei den Expertinnen und Experten der Pflegekassen informieren und sich von ihnen erklären lassen, welche Leistungen und Angebote am besten zu seiner Pflegesituation passen. Die Mitarbeiter der Pflegekassen verfügen über das notwendige Detailwissen, um auch schwierige Fragen zu beantworten. Das Einverständnis des Pflegebedürftigen vorausgesetzt, können sich auch Angehörige von der Pflegekasse beraten lassen.


Leistungen bei häuslicher Pflege

So lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben – dies ist der Wunsch der meisten Menschen. Er spiegelt sich unter anderem

in dem Umstand wider, dass mehr als zwei Drittel aller Pflegebedürftigen in Deutschland zu Hause gepflegt werden. Ihre Versorgung

übernehmen Angehörige, professionelle einzelne geeignete Pflegekräfte oder professionelle Pflegekräfte der ambulanten Pflegedienste. Auch wenn der Erkrankte zum Beispiel zeitweise in einer teilstationären Einrichtung der Tages- oder Nachtpflege untergebracht ist, kann er daneben Leistungen bei häuslicher Pflege erhalten. Auch die Versorgung in einer der immer beliebter werdenden ambulant betreuten Wohngruppen gilt als häusliche Pflege. Damit an Demenz erkrankte Personen möglichst lange in ihrer

vertrauten Umgebung leben können, hat die Bundesregierung die häusliche Pflege deutlich gestärkt und die entsprechenden Leistungen und Unterstützungsangebote weiter ausgebaut.


Pflegegeld

Menschen mit Demenz, die zu Hause versorgt werden und mindestens in den Pflegegrad 2 eingestuft sind, haben Anspruch auf Pflegegeld. Voraussetzung für den Bezug ist, dass die häusliche Pflege selbst sichergestellt ist, zum Beispiel durch Angehörige oder andere ehrenamtlich tätige Pflegepersonen. Der Pflegebedürftige erhält das Pflegegeld direkt von der Pflegekasse und kann über  

die Verwendung frei verfügen. Die Regel ist dabei, dass er es als Anerkennung für ihre Hilfe an die ihn versorgenden und betreuenden Personen weitergibt. Die Höhe des Pflegegeldes richtet sich nach dem Pflegegrad (siehe hier).


Zusätzlicher Betreuungs- und Entlastungsbetrag

Pflegebedürftige in häuslicher Pflege haben Anspruch auf einen Entlastungsbetrag in Höhe von bis zu 125 Euro monatlich.

Dies gilt auch für Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1. Der Betrag ist zweckgebunden einzusetzen für qualitätsgesicherte Leistungen zur Entlastung pflegender Angehöriger sowie zur Förderung der Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit der Pflegebedürftigen bei der Gestaltung ihres Alltags. Wird die Leistung in einem Kalenderjahr nicht ausgeschöpft, kann der nicht verbrauchte Betrag in das darauffolgende Kalenderhalbjahr übertragen werden.

Der Entlastungsbetrag dient der Erstattung von Aufwendungen, die dem Pflegebedürftigen im Zusammenhang mit der Inanspruchnahme von Leistungen der Tages- oder Nachtpflege, der Kurzzeitpflege, von zugelassenen Pflegediensten (in den Pflegegraden 2 bis 5 jedoch nicht von Leistungen im Bereich der Selbstversorgung) oder von nach Landesrecht anerkannten Angeboten zur Unterstützung im Alltag entstehen. Je nach Ausrichtung der anerkannten Angebote kann es sich dabei um Betreuungsangebote (zum Beispiel Tagesbetreuung, Einzelbetreuung), Angebote zur Entlastung von Pflegenden (zum Beispiel durch Pflegebegleiter) oder Angebote zur Entlastung im Alltag (zum Beispiel in Form von praktischen Hilfen) handeln.

Zur Inanspruchnahme der nach Landesrecht anerkannten Angebote zur Unterstützung im Alltag können auch bis zu 40 Prozent des jeweiligen Leistungsbetrags der ambulanten Pflegesachleistung eingesetzt werden, soweit dieser nicht bereits für den Bezug ambulanter Sachleistungen verbraucht wird. Dieser sogenannte Umwandlungsanspruch besteht neben dem Anspruch auf den Entlastungsbetrag und kann daher auch unabhängig von diesem genutzt werden. Davon profitieren insbesondere an Demenz erkrankte Personen und ihre Angehörigen. Sie können flexibler und in größerem Umfang Angebote zur Unterstützung im Alltag in Anspruch nehmen.


Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel

Mit Inkrafttreten des zweiten Pflegestärkungsgesetzes haben der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder die von der Pflegekasse beauftragten Gutachter ab dem 1.1.2017 im Gutachten zur Feststellung von Pflegebedürftigkeit konkrete Empfehlungen zur Hilfsmittel-und Pflegehilfsmittelversorgung abzugeben. Diese Empfehlungen gelten jeweils als Antrag auf Leistungsgewährung, sofern der Pflegebedürftige zustimmt. Die Zustimmung erfolgt gegenüber dem Gutachter im Rahmen der Begutachtung und wird im Gutachtenformular schriftlich dokumentiert. Diese Regelung dient der Vereinfachung im Antragsverhalten zwischen dem Pflegebedürftigen und der Kranken- und Pflegekasse. Dies betrifft zum Beispiel folgende Hilfs- und Pflegehilfsmittel: Badehilfen, Gehhilfen, Inkontinenzhilfen, Toilettenhilfen. Kosten für Pflegehilfsmittel werden von der Pflegeversicherung übernommen, wenn keine Leistungsverpflichtung der Krankenkasse besteht. Auch Pflege bedürftige mit Pflegegrad 1 können Pflegehilfsmittel erhalten.


Pflegehilfsmittel sind Geräte und Sachmittel, die die häusliche Pflegeerleichtern oder dazu beitragen, pflegebedürftigen Menschen eine

selbstständigere Lebensführung zu ermöglichen. Es gibt zum einen Verbrauchsprodukte wie Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe oder Betteinlagen. Zum anderen handelt es sich um technische Hilfsmittel wie Pflegebetten, Rollstühle, Lagerungshilfen und Notrufsysteme.


Für Verbrauchsprodukte erstattet die Pflegekasse bis zu 40 Euro im Monat. Für technische Pflegehilfsmittel wie Pflegebetten oder Rollstühle müssen volljährige Pflegebedürftige einen Eigenanteil von 10 Prozent, jedoch maximal 25 Euro pro Hilfsmittel bezahlen.

Oftmals werden diese auch leihweise von den Pflegekassen zur Verfügung gestellt. In diesem Fall entfällt die Zuzahlung. Technische Hilfsmittel müssen übrigens nicht mehr gesondert bei der Pflegekasse beantragt werden, wenn bei der Begutachtung ein solches Hilfsmittel empfohlen wird.


Zuschüsse für Wohnungsumbauten

Wer möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen und dabei ein weitestgehend selbstständiges Leben führen möchte, braucht

eine Wohnung, die dies ermöglicht. Dafür muss diese womöglich entsprechend angepasst oder umgebaut werden. Ein barrierefreies Bad, die Anpassung einer Kücheneinrichtung oder die Beseitigung von Schwellen können die Pflege zu Hause wesentlich erleichtern und zugleich vor Unfällen schützen. Die Pflegeversicherung unterstützt deshalb bauliche Anpassungsmaßnahmen durch finanzielle Zuschüsse. Bereits ab Pflegegrad 1 können Betroffene diese Zuschüsse in Höhe von bis zu 4.000 Euro je Maßnahme für Anpassungen des individuellen Wohnumfeldes erhalten, wenn diese Maßnahmen die häusliche Pflege des Pflegebedürftigen in der Wohnung ermöglichen, erheblich erleichtern oder dadurch eine möglichst selbstständige Lebensführung wiederhergestellt wird. Die Finanzierung von Umbaumaßnahmen sollte vor Baubeginn bei der Pflegekasse beantragt werden. Hierbei sollte ein Kostenvoranschlag, ausgestellt von dem Unternehmen, das die Arbeiten ausführen soll, vorgelegt werden. Wenn sich die Pflegesituation so verändert, dass weitere Anpassungen notwendig werden, kann erneut ein Zuschuss gewährt werden. Im Rahmen einer Wohnungsanpassung sind viele Dinge machbar, allerdings nicht alle sinnvoll und auch finanzierbar. Wer sich mit dem Gedanken an einen Umbau trägt, tut deswegen gut daran, sich zuvor umfassend beraten zu lassen. Dabei helfen kann eine der über 250 Wohnberatungsstellen, die es in Deutschland gibt. Ein Verzeichnis mit den entsprechenden Adressen finden Sie auf der Homepage der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e.V., gerne beraten wir auch Sie an dieser Stelle persönlich und kostenfrei.


Förderung ambulant betreuter Wohngruppen

Pflegebedürftige, die Pflegegeld, ambulante Pflegesachleistungen oder den Entlastungsbetrag beziehen und in einer ambulant betreuten Wohngruppe leben, können unter bestimmten Voraussetzungen zusätzlich zu den sonstigen Leistungen auf Antrag eine Pauschale in Höhe von 214 Euro im Monat erhalten, den sogenannten Wohngruppenzuschlag.

Mit dem Zuschlag können sie eine Person finanzieren, die durch die Mitglieder der Wohngemeinschaft gemeinschaftlich beauftragt wird. Diese soll organisatorische, verwaltende, betreuende Tätigkeiten verrichten, das Gemeinschaftsleben fördern oder bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten unterstützen. Ihr Einsatz ist unabhängig von der individuellen pflegerischen Versorgung.

Den Wohngruppenzuschlag können auch Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 erhalten. Diese müssen kein Pflegegeld, ambulante Pflegesachleistungen oder den Entlastungsbetrag beziehen, um den Wohngruppenzuschlag zu erhalten.